Extrusion 1-2026

15 Extrusion 1/2026 Branche Intern ► PlasticsEurope Deutschland e. V. plasticseurope.org sich die Standortbewertung im Ver- gleich zur ersten Auflage der Umfrage im Jahr 2023 nur leicht verbessert. Po- sitive Noten erhält der Standort Deutschland insbesondere für die Nähe zu Kunden und Lieferanten sowie für das gute Industrienetzwerk. Die Umfrage der Initiative „ Wir sind Kunststoff “ verdeutlicht gleichwohl aber auch, dass drei zentrale Stand- ortfaktoren über die Wettbewerbsfä- higkeit der Wertschöpfungskette Kunststoff in Deutschland entschei- den: Energiepreise, Bürokratie und die regulatorischen Rahmenbedin- gungen in Bezug auf Kunststoffe und Nachhaltigkeit wurden allesamt von den Unternehmen mit „mangelhaft“ bewertet. Insbesondere der hohe Auf- wand für Genehmigungen und Be- richtspflichten belastet die Betriebe und hemmt die Innovationskraft. Ein beschleunigter Abbau von Bürokratie und eine weitere nachhaltige Entlas- tung der Unternehmen von den hohen Energiekosten sind entschei- dend, damit Innovation, Wertschöp- fung und Arbeitsplätze im Land gesi- chert bleiben. Denn die Unterneh- mensbefragung zeigt ganz klar: Außerhalb Deutschlands ist die Inve- stitionsbereitschaft momentan deut- lich höher. „Jetzt ist die Politik am Zug: Sie hält die Stellhebel in der Hand, um der Kunststoffindustrie den nötigen Schub zu geben“, betonen die Initia- toren der Umfrage. „Während die Un- ternehmen mit Innovation, Transfor- mation und Jetzt-erst-recht-Menta- lität vorangehen, muss die Politik Bü- rokratie abbauen und mit kluger Re- gulierung weitere Investitionen in die Kreislaufwirtschaft attraktiv machen.“ Vor dem Hintergrund anhaltender Handelskonflikte fordert die Branche neue, starke internationale Handels- abkommen. Sie sind Voraussetzung, um den Marktzugang zu sichern, faire Wettbewerbsbedingungen herzustel- len und die hohen Qualitätsstandards deutscher Produkte international zu schützen. Eine effiziente und aktive Marktaufsicht ist dabei unerlässlich. Die Unternehmen erwarten von der deutschen Bundesregierung ent- schlossene Schritte und haben in der Umfrage selbst klare Prioritäten for- muliert – vom Abbau von Berichts- pflichten und einer 1:1-Umsetzung von EU-Vorschriften bis zur Fachkräf- tesicherung und Förderung der Zu- wanderung qualifizierter Fachkräfte. Die Initiatoren der Befragung ma- chen deutlich: „Jetzt ist der Moment, zentrale Reformen mutig anzupacken, damit der industrielle Kern Deutsch- lands nicht weiter erodiert. Eine starke, widerstandsfähige Kunststoff- Wertschöpfungskette ist für Deutsch- land unverzichtbar. Die Unternehmen der Wertschöpfungskette Kunststoff sind attraktive Arbeitgeber für fast 400.000 Beschäftigte und bilden mit ihren Materialien, Verarbeitungs- Know-how und Ingenieursleistungen das Rückgrat für die großen Transfor- mationen zur Klimaneutralität und zur Kreislaufwirtschaft.“ ► IK Industrievereinigung Kunststoffverpackungen e.V. https://sicherverpackt.de eine funktionierende Kreislaufwirt- schaft sicherzustellen, setzt sich die IK – unter deren Dach die Initiative ERDE organisiert ist – explizit für gesetzliche Rahmenbedingungen im CEA ein. Die freiwillige Initiative ERDE ist ein nationales Sammel- und Recyclingsys- tem für Agrarkunststoffe, das bereits seit 2013 erfolgreich arbeitet. Die Bi- lanz kann sich sehen lassen: Allein in Deutschland wurden über die ERDE- Initiative 2024 rund 40.000 Tonnen Agrarkunststoffe recycelt, was einer CO -Einsparung von über 37.000 Ton- nen entspricht. Trotz dieser nach- weisbaren Erfolge stößt das freiwillige Modell jedoch an seine Grenzen. Das jährliche Monitoring der GVM Gesell- schaft für Verpackungsmarktfor- schung zeigt die Grenzen der Frei- willigkeit auf und quantifiziert das Pro- blem des „Trittbrettfahrens“: Für das Berichtsjahr 2024 ermittelte die GVM Die IK Industrievereinigung Kunst- stoffverpackungen hat sich an beiden öffentlichen Konsultationen zum Cir- cular Economy Act beteiligt und for- dert die Einführung eines verbind- lichen Systems der erweiterten Her- stellerverantwortung (EPR) für Agrar- kunststoffe. Ein zentrales Anliegen der IK im lau- fenden CEA-Prozess ist die Etablie- rung einer funktionierenden Kreis- laufwirtschaft für Agrarkunststoffe. Da Agrarkunststoffe wie beispiels- weise Ballennetze, Pressengarne, Si- lage-, Stretch-, Mulch- und Gewächs- hausfolien oder Bewässerungsschläu- che nicht als Verpackungen gelten, fal- len sie nicht unter die Verpackungs- und Verpackungsabfallverordnung (PPWR) – mit der Folge, dass bislang verbindliche Regeln für den Umgang mit den entstehenden Abfällen feh- len. Um diese Lücke zu schließen und Forderung nach verbindlichen EPR-Regulierung für Agrarkunststoffe eine beachtliche Marktabdeckung von 78,6 Prozent über alle im ERDE-Sys- tem erfassten Agrarkunststoffpro- dukte. Damit entziehen sich jedoch bei gut einem Fünftel der Agrarkunst- stoffe die Hersteller ihrer Verantwor- tung. Dies stellt eine Wettbewerbs- verzerrung zu Lasten der engagierten Unternehmen dar und begrenzt die ökologische Effizienz des Gesamtsys- tems. Ein Zustand, der nach Ansicht der IK nur durch eine verbindliche ge- setzliche Pflicht zur Herstellerverant- wortung behoben werden kann – eine Forderung, welche die Mitglieder und die RIGK GmbH als Systemmanager der Initiative ERDE vollumfänglich un- terstützen.

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