Extrusion 1-2026
Extrusion 1/2026 58 Recycling „das Neue dabei ist, dass diese Vorga- ben ab 2028 nicht mehr ausschließ- lich über das werkstoffliche Recycling erbracht werden müssen, so dass auch Verwertungsverfahren des che- mischen Recyclings auf die Quoten- vorgaben angerechnet werden kön- nen. Das begrüßen wir ausdrücklich!” Konkret müssen ab 2028 von der geforderten Verwertungsquote von 75 Prozent für Kunststoffabfälle 70 Prozent und von der ab 2030 gelten- den Verwertungsquote von 80 Pro- zent 75 Prozent über das werk- stoffliche Recycling erbracht werden. Die damit verbleibenden fünf Prozent können durch werkstoffliche, aber auch andere Verwertungsverfahren erfüllt werden. „Damit wird eine Forderung erfüllt, die kunststoffland NRW schon seit Jahren an die Politik stellt“, so Brinit- zer, „aufgrund unserer Mitglieder- struktur, die den gesamten Wert- schöpfungskreislauf Kunststoff um- fasst, konnten wir als erste eine ge- meinsame Position von Unternehmen der Chemieindustrie und mechani- schen Recyclern in dieser Frage vorle- gen: Sie sieht in einem ersten Schritt die Ausweisung zweier Quoten vor, wie wir sie jetzt in dem Entwurf sehen. Wir betrachten den jetzigen Vorschlag als einen ersten Schritt.“ Der Geschäftsführer hob hervor, dass dies das notwendige komple- mentäre Nebeneinander von mecha- nischem und chemischem Recycling ermöglicht, die beide zur Schließung des Kunststoffkreislaufs gebraucht werden. Allerdings ist Brinitzer nicht mit allem, was in dem Referentenentwurf steht, zufrieden. Wünschemswert wäre es nach seiner Ansicht gewesen, wenn man die Chance auch genutzt hätte, um den § 21 (Ökologische Ge- staltung von Beteiligungsentgelten) des jetzigen Verpackungsgesetzes fortzuentwickeln. „Vorschläge, mit denen über die Systementgelte end- lich wirksame Anreize geschaffen wer- den, um die Recyclingfähigkeit von Verpackungen zu erhöhen, liegen auf dem Tisch, aber sie sind in dem Ent- wurf leider nicht aufgegriffen worden.“ ► kunststoffland NRW e.V. www.@kunststoffland-nrw.de sen als auch zur Versorgung mit Roh- stoffen. Das ist eine klare Win-win- Si- tuation für Klimaschutz und Resilienz. Doch solange zentrale Rechtsfragen offenbleiben, kommen die notwendi- gen Investitionen nicht ins Rollen.“ „Bisher ist die installierte Kapazität für chemisches Recycling in Europa vor allem außerhalb Deutschlands an- gesiedelt“, sagt Dr. Christine Bunte von Plastics Europe Deutschland ( im Bild links ). „Die Erwähnung des che- mischen Recyclings im neuen Verpa- ckungsdurchführungsgesetz ist ein erster wichtiger Schritt, das Potenzial auch hier im Land zu heben. Auf eu- ropäischer Ebene fehlt noch eine wichtige Entscheidung, wie chemi- sches Recycling auch auf die Quoten für den Einsatz von recycelten Kunst- stoffen angerechnet werden kann. Diese endlose Diskussion über die Massenbilanzierung muss daher schnell beendet werden. Wir hoffen, die Bundesregierung macht hier in Brüssel entsprechend Druck.“ Neben dem klaren Rechtsrahmen für chemische Verfahren setzen sich Eine neue Conversio-Studie zeigt: Deutschland könnte deutlich mehr Kunststoffe recyceln. Chemische Ver- fahren bieten als Ergänzung zum me- chanischen Recycling zusätzliche Möglichkeiten – vor allem für solche Abfälle, die sich mit klassischen Ver- fahren kaum hochwertig verwerten lassen. Letztes Jahr waren hierzulande aber erst vier kleinere Pilotanlagen für chemisches Recycling gemischter Po- lyolefine in Betrieb (per Anlage Max. 4.000 Tonnen/p.a.) sowie eine indus- trielle Anlage (20.000 Tonnen/p. a.) für die Pyrolyse von Altreifen. Zwei indus- trielle Anlagen für gemischte Polyole- finabfälle (24.600 Tonnen/p. a. und 50.000 Tonnen/p. a.) werden derzeit gebaut, 10 weitere Anlagen unter- schiedlicher Größe befinden sich in Planung. Matthias Belitz vom Verband der Chemischen Industrie sieht die Politik jetzt in der Verantwortung: „Chemi- sches Recycling ist bei weitem nicht dort, wo es sein könnte. Es handelt sich um eine Zukunftstechnologie so- wohl zur Reduktion von Treibhausga- Chemisches Recycling – Must-have für die Zukunft des Standorts Chemische Recyclinganlage in Ennigerloh, Nordrhein-Westfalen: In dieser Anlage werden komplexe Kunststoffabfälle in ihre chemischen Grundstoffe zerlegt. Beim chemischen Recycling entstehen Öle, Gase und Feststoffe, die wieder für die Herstellung neuer Kunststoffe genutzt werden können und fossile Rohstoffe im Produktionsprozess teilweise ersetzen (Foto: © Plastics Europe Deutschland)
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