Extrusion 2-2026
Ein möglicher Erklärungsansatz für die erhöhte Festig- keit der dickeren Folien liegt in der nicht eindeutig be- kannten Materialzusammensetzung der eingesetzten Recyclingmaterialien, da es nicht identifizierbar ist, welche Neuware ursprünglich zur Herstellung der Teppiche ver- wendet wurde. Der Unterschied zwischen den Foliendicken von 300 µm und 500 µm im Material rPA6 lässt sich mögli- cherweise auf eine verbesserte Kompensation von Fehlern in der dickeren Folie erklären. So könnten Verunreinigun- gen mit einem Durchmesser von mehr als 300 µm durch das dickere Material besser vom Kunststoff eingeschlos- sen werden, wodurch das lokale Risswachstum gehemmt würde. Die Tatsache, dass das nicht entgaste Material die höchste Zugfestigkeit aufweist, könnte darauf zurückzu- führen sein, dass dies im Rahmen eines Filtrationstests hergestellt wurde. Infolgedessen ist es möglich, dass grö- ßere Partikel während des Prozesses entweder herausge- filtert oder durch das Sieb zerteilt wurden und somit weniger den Start für Risswachstum darstellen. Für die Anwendung bedeutet dies, dass die werkstofflich recycelten rPA6-Materialien mechanisch grundsätzlich ge- eignet sind, jedoch aufgrund ihrer eingeschränkten Dehn- fähigkeit besondere Anforderungen an die Bauteilaus- legung sowie an die Prozessführung, insbesondere hin- sichtlich Handling, Transport und Weiterverarbeitung, zu berücksichtigen sind. Fazit Die Untersuchungen zeigen, dass faserförmige PA6-Re- zyklate aus textilen Bodenbelägen ohne geeignete Aufbe- reitungsschritte nicht prozesssicher extrudierbar sind. Die größten Herausforderungen liegen weniger in der Schmel- zeverarbeitung als in der Förderung der Fasern und der Entfernung von flüchtigen Bestandteilen. Um diese Her- ausforderungen zu überwinden, können die Fasern gra- nuliert oder agglomeriert werden. Eine Granulierung kann durch besondere Fördertrichter und Einzugsvorrichtungen sichergestellt werden. Durch kontinuierliche Trocknungs- vorgänge vor jedem Verarbeitungsschritt (vor der Granu- lierung, Entgasung während der Granulierung und Trocknung vor der Folienherstellung) kann eine prozesssi- chere Verarbeitung des Materials gewährleistet werden, sodass Folien ohne oberflächliche Mängel hergestellt wer- den können. Dies ist für die Weiterverarbeitung im Thermobonding wichtig, um eine gleichmäßige Fügung von Faser und Fo- lienrücken auf der temperierten Walze zu gewährleisten. Der Monomaterialansatz auf PA6-Basis eröffnet dabei einen skalierbaren Pfad zur deutlichen Steigerung der werkstofflichen Recyclingquote in textilen Bodenbelägen und zur Etablierung geschlossener Materialkreisläufe. Dank Das IGF-Vorhaben 22910 N der Forschungsvereinigung Textil wird in Kooperation mit dem Institut für Bodensys- teme an der RWTH Aachen e.V. (TFI) im Rahmen des Pro- gramms zur Förderung der Industriellen Gemein- schaftsforschung und -entwicklung (IGF) vom Bundesmini- sterium für Wirtschaft und Energie (BMWE) aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages gefördert. Allen Institutionen gilt unser Dank. Autoren Jonas Wermter , M.Sc., Wissenschaftlicher Mitarbeiter am IKV, Dr.-Ing. Lukas Seifert , Abteilungsleiter Extrusion und Kautschuktechnologie am IKV Prof. Dr.-Ing. Christian Hopmann , Inhaber des Lehrstuhls für Kunststoffverarbeitung und Leiter des Instituts für Kunststoffverarbeitung (IKV) an der RWTH Aachen Literaturverzeichnis [DZL24] D AHLMANN , R.; Z IMMER , S.; L EUCHTENBERGER -E NGEL , L.: Wie aus Altteppichen Neues entsteht: Textile Bodenbe- läge durch schonende Aufbereitung zu Flachfolien ver- arbeiten. Plastverarbeiter 75 (01.11.2024), S. 28–31 [Han19] H ANS -J ÜRGEN S CHäFER : Zirkuläre Wertschöpfung. URL: https://www.vdi.de/fileadmin/pages/vdi_de/ redakteure/themen/Zirkulaere_Wertschoepfung/ Dateien/GVC-Flyer_Zirkulaere_Wertschoepfung_- _Chemisches_Recycling_FINAL.pdf?utm_source= chatgpt.com2019 [HR25] H ESTERMANN , U.; R ONGEN , L.: F RICK /K NöLL : Baukon- struktionslehre 1. Wiesbaden: Springer Fachmedien Wiesbaden, 2025 [NN17] N.N.: Deutsche Umwelthilfe e.V.: Unter den Tep- pich gekehrt: Das große Entsorgungsproblem der Tep- pichbodenindustrie in Deutschland. URL: https://www.duh.de/fileadmin/user_upload/download/ Projektinformation/Kreislaufwirtschaft/Teppich- Recycling/170228_Deutsche_Umwelthilfe_Studie_ Teppichbodenentsorgung_FINAL.pdf [NN23] N.N.: THE EUROPEAN PARLIAMENT AND OF THE COUNCIL: End of life vehicles, Directive 2000/53/EC. 2023 [NN25] N.N.: Deutsche Umwelthilfe e.V.: Entsorgung von Teppichböden. 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URL: https://texnoteblog.word- press.com/2014/01/15/preparation-properties-and- -applications-of-nylon-66-fibers/, Abgerufen am 29.01.2026 ► Institut für Kunststoffverarbeitung (IKV) in Industrie und Handwerk an der RWTH Aachen Seffenter Weg 201, 52074 Aachen Jonas Wermter – Wissenschaftlicher Mitarbeiter Blasformen jonas.wermter@ikv.rwth-aachen.de www.ikv-aachen.de Folienextrusion, Recycling – Aus der Forschung Extrusion 2/2026 40
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