Extrusion 4-2026
weitergeben. Aktuelle Daten aus der GKV-Umfrage (März 2026) zeigen, dass 99 Prozent der Verpackungshersteller mit Preisaufschlägen der Lieferanten konfrontiert sind. Wie aus der Ver- bandsumfrage hervorgeht, gelingt es derzeit nur wenigen Unternehmen, die Mehrkosten weitgehend auf die Kunden zu überwälzen. Sofern die Weitergabe zum Beispiel im Rahmen von Preisgleitklauseln möglich ist, gel- ten diese teilweise erst verzögert. Den- noch: Die Ertragslage in der Kunst- stoffverpackungsindustrie wird im zweiten Quartal 2026 weniger negativ bewertet als in den historischen Kri- senquartalen Q2 2021 (pandemiebe- dingte Lieferkettenstörungen) und Q2 2022 (kriegsbedingte Energiekrise). Wegen der starken Preisanstiege und eingeschränkter Verfügbarkeiten ste- hen die Vorzeichen für die kommen- den Wochen jedoch schlecht, sodass aktuell mit einer weiteren Verschär- fung der Situation zu rechnen ist. Obwohl die Hälfte aller Befragten erwartet, dass ihre Gewinnmargen im laufenden Quartal weiter schrumpfen werden, fallen die Einschätzung der allgemeinen Wirtschaftslage im zwei- 105 Hersteller von Kunststoffver- packungen und -folien in Deutschland berichten bei der IK-Konjunkturum- frage für das zweite Quartal von gro- ßen wirtschaftlichen Herausforderun- gen. Die geopolitischen Spannungen im Mittleren Osten führen zu Proble- men der Rohstoffbeschaffung, die – gepaart mit extremen Preisanstiegen – die Versorgungssicherheit und Liefer- fähigkeit der überwiegend mittelstän- dischen Betriebe massiv gefährden. Der beispiellose Engpass auf den Rohstoffmärkten zeigt sich am Indika- tor für die Rohstoffverfügbarkeit, der regelrecht abgestürzt ist: Nach einem noch positiven Wert von 13 Punkten zu Jahresbeginn fällt der Index nun auf einen historischen Tiefstand von -86 Punkten. Viele Lieferanten von Ver- packungskunststoffen berufen sich mit Hinweis auf die militärische Eska- lation im Nahen Osten auf soge- nannte „Force Majeure“ (höhere Gewalt), liefern gar nicht mehr oder nur noch zu stark überhöhten Preisen. Die Preiserhöhungen der Rohstoff- lieferanten können Verpackungsher- steller in der aktuellen Marktsituation nur bedingt an ihre eigenen Kunden Konjunkturumfrage Kunststoffverpackungen und Kunststofffolien ► IK Industrievereinigung Kunststoffverpackungen e.V. www.kunststoffverpackungen.de https://sicherverpackt.de/ Branche Intern Extrusion 4/2026 20 ten Quartal 2026 etwas weniger pes- simistisch aus als zuvor. Der ent- sprechende Indexwert klettert von -67,9 auf -51,4 Punkte, bleibt damit aber weiterhin deutlich im Minus. Auch die Absatzerwartungen zeigen sich vergleichsweise stabil auf dem Ni- veau des Vorquartals. „Die aktuelle Kombination aus Lie- ferunterbrechungen und extremen Preisaufschlägen bringt viele unserer mittelständischen Unternehmen an ihre Belastungsgrenze, zumal die Nachfrage sich gerade erst zögerlich stabilisiert. Einige Kunststofferzeuger haben in den letzten Wochen kräftig an der Preisschraube gedreht. Dabei sitzen wir entlang der Wertschöp- fungskette alle in einem Boot ange- sichts der Energie- und Rohstoffkrise und es sind partnerschaftliche An- strengungen gefordert, um die Ver- sorgungssicherheit dauerhaft zu gewährleisten“, erklärt Dr. Martin Engelmann. ► SKZ – Das Kunststoff-Zentrum Luis Wachter, l.wachter@skz.de Alexander Hefner, a.hefner@skz.de schuss. Derzeit stehen der Industrie nur wenige praxistaugliche Verfahren zur Verfügung, um Fremdkörper wäh- rend der Verarbeitung zuverlässig und frühzeitig zu detektieren. Im Rahmen des neuen Wegbereiter- projekes „ CLEAR – Fremdstoffe in Kunst- stoffschmelzen sicher erkennen “ wer- den Messtechniken evaluiert und wei- terentwickelt, die Fremdkörper in der Schmelze frühzeitig erkennen und damit als Instrument zur Prozessüber- wachung dienen. Die angestrebten Lö- sungen sollen dazu beitragen, die Prozesssicherheit nachhaltig zu erhö- hen und eine gleichbleibend hohe Pro- duktqualität sicherzustellen. Der initi- ale Fokus liegt auf der Extrusion, wobei eine perspektivische Übertragbarkeit Die Kunststoffindustrie steht mit steigenden Qualitätsanforderungen, höheren Recyclingquoten und dem Anspruch an stabile und effiziente Produktionsprozesse vor wachsenden Herausforderungen. Der zunehmende Einsatz von Rezyklaten erhöht das Ri- siko, dass Fremdstoffe in die Kunst- stoffschmelze gelangen. Diese können die Produktqualität erheblich beein- trächtigen und zugleich Maschinen- schäden verursachen. Die Folgen umfassen Produktionsausfälle, unge- plante Stillstände und erhöhten Aus- Projektpartner gesucht auf den Spritzguss denkbar ist. Ziel des Projekts ist die Entwicklung einer Messtechnik, die Fremdkörper in der Schmelze frühzeitig erkennt und eine Möglichkeit für die Prozessüberwa- chung darstellt. Für jeden Projekt- partner werden individuelle Test- reihen durchgeführt. Die SKZ-Wegbereiterprojekte wer- den von mehreren Unternehmen ge- meinschaftlich finanziert. Die Ergeb- nisse werden exklusiv den beteiligten Firmen zur Verfügung gestellt und nicht veröffentlicht. Ziel ist es, praxis- relevante Lösungen zu entwickeln, die individuell nutzbar sind.
Made with FlippingBook
RkJQdWJsaXNoZXIy ODIwMTI=